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Literarischer Salon Hildesheim

07/05/2010

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Jenny Erpenbeck – „Heimsuchung“

Lesung und Gespräch mit Jenny Erpenbeck
Fr., 07. Mai 2010
20:00 Uhr
Leselounge der Universitätsbibliothek

Mit ihrem neuesten Roman „Heimsuchung“ nimmt die Autorin, Theater- und Opernregisseurin Jenny Erpenbeck uns wieder mit auf einen spannenden Streifzug durch die Geschichte. Der Protagonist ist hier ein Haus an einem märkischen See. War die Protagonistin in ihrem Debüt „Geschichte vom alten Kind“ (1999) ein aus dem Nichts auftauchendes 14jähriges Kind mit einem Eimer in der Hand und in „Wörterbuch“ ein Mädchen, das ihren Worterinnerungen schmerzlich auf den Grund geht, so führten uns in den Theaterstücken „Katzen haben sieben Leben“ (UA in eigener Regie 2000 in Graz) und „Leibesübungen für eine Sünderin“ (UA Deutsches Theater Berlin) Frauenfiguren durch die hässlichen Tiefen der Psyche.

In „Heimsuchung“ nun ist es ein Haus, dessen Geschichte in einem lakonisch, nüchternen Sprachstil präsentiert wird. Die Sprache hinterlässt den Eindruck, als spräche der Raum selbst zu uns in völliger Abgeklärtheit seiner Dauer in der Zeit. Das klingt so:

Der Schulze hat vier Töchter: Grete, Hedwig, Emma und Klara. Wenn er am Sonntag mit seinen Töchtern durchs Dorf fährt, zieht er den Pferden weiße Strümpfe an. Der Vater des Schulzen war Schulze, und dessen Vater war Schulze, und immer so weiter zurück bis sechszehnhundertundfünzig. Der König selbst hat den Vater des Vaters des Vaters des Vaters des Schulzen zum Schulzen bestellt, und deshalb zieht der Schulze, wenn er am Sonntag mit seiner mit Töchtern vollbeladenen Kutsche durchs Dorf fährt den Pferden weiße Strümpfe an. (S. 16)

Kunstvoll verwebt die Autorin die Schicksale deutscher Menschen des 20.Jahrhunderts im Brennpunkt dieses Hauses an einem märkischen See. Dabei werden nicht nur die Familienstrukturen, sondern auch die deutsche Geschichte auf eindrucksvolle Weise lebendig.

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