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Landpartie ZwanzigZehn – Releaseparty

26/04/2010

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Am Mittwoch, 28. April 2010, wird in Hildesheim die Veröffentlichung der Landpartie ZwanzigZehn gefeiert. Ab 21 Uhr lesen Anahí Pérez, Jan Berning, Kathi Flau, Kay Steinke und Jan Fischer ihre Texte aus der Literarischen Jahresanthologie des Hildesheimer Studiengangs Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus.

LitteraNova
Club * Literatur * Musik
Wallstraße 12a
31134 Hildesheim
Beginn: 21 Uhr
Eintritt: 2,- €

Leseproben…

Während ich losziehe, überlege ich, wo genau, Entfernung Luftlinie zu mir, du gerade deinen Typen küsst. Ich zähle meine Schritte zusammen und hebe mir die Zahlen auf. Er sieht aus wie ein Thomas. In Gedanken jage ich Thomas, und wenn ich ihn habe, ich sage dir, spielen wir keine Karten zusammen. (Anahí Pérez: Kent ist wie gesagt eine Kritik)

Anahí Pérez, geboren in Foz do Iguacu/Brasilien, studiert seit 2004 Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim. Sie war unter den Gewinnern des gefürchteten HLKZ-Literatur-Wettbewerbes.

Ich bin dabei, als der Sarg in die Erde gehoben wird, ich sehe, wie mein Vater drei Hände Erde nimmt und fallen lässt, höre diesen Ton, Erde auf Holz, dreimal, ich bleibe, bis die Totengräber fertig sind. Leute, die ich noch nie gesehen habe, kennen mich, jeder sagt dasselbe, danke, sage ich. Es gibt Zuckerkuchen, später Fleisch und Schnaps in der Dorfkneipe, die zugleich Bar und Hotel und Restaurant und Eiscafe ist, und im Umkreis von zwölf Kilometern die einzige Chance zu tanzen. Niemand tanzt, irgendwann singen alle, der Papst lebt herrlich in der Welt und ach loat uns doch noch enen niämen. Mein Vater bringt mir ein Glas, Medizin, sagt er, hau rein, danach kannst du schlafen. Er dreht sich im Gehen um, auf ex, na los. Und kein Wort zu deiner Mutter. Der Saal dreht sich, Leute lachen, über was, es wird Zeit, den Kopf auf den Tisch zu legen. (Kathi Flau: Rochaden)

Kathi Flau, geboren 1973 in Brandenburg, studiert Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim seit 2006. Sie ist Redakteurin der Edition Pächterhaus.

3. – Wir glauben an die Offenheit von unseren Kunstwerken, morgens binden wir eine Frau auf den Chef, fesseln sie mit Kreuzknoten an seine Unterarme und füllen die Borderline-Narben mit Kokain auf. Jeder darf an ihr mal ziehen und wenn wir nicht schnell einen Postcolonial Turn in der Pipeline haben, bewerfen wir sie mit Klingen. (Kay Steinke: Die Entschleunigung der guten Nachricht)

Kay Steinke, geboren 1983 in Greifswald, studiert in Hildesheim, schreibt auf Rügen.

Als er später seinen massigen Körper zwischen den quietschenden Wänden heraus hievt, hinterlassen seine Finger Schweißspuren auf dem Holz des Beichtstuhls. Er wischt sich mit dem Taschentuch den Nacken, als wir aus der Kirche treten, kurz flattern seine Mundwinkel, dann lacht er wieder. »Keine Ahnung, wer Sie geschickt hat«, sagt er, »aber der Herrgott war’s nicht.« Als er geht, bricht eine Kastanie unter seinen Füßen. (Jan Berning: Eden)

Jan Berning studiert seit 2005 Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus. Er veröffentlichte zuletzt journalistisch in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und auf http://www.freitag.de.

Was die Straße anging, hatte der Großvater unrecht. Es war nicht die löchrige Straße vor der Tür des Tiffany’s, die am Ende das Geschäft kaputt machte, es war auch nicht die andere, weiter entfernte Straße, die neue Schnellstraße, die schon längst gebaut war, als Audrey fünf Jahre alt wurde. Wenn Audrey sich an die Straße in ihrer Kindheit erinnerte, konnte sie ohne Probleme sechs Gelegenheiten nennen, zu denen sie beinahe überfahren worden wäre. Ihren fünften Geburtstag feierte sie mit dreißig oder vierzig zum größten Teil fremden Menschen, die zufällig im Tiffany’s vorbeikamen, Menschen, die noch auf der alten Straße über die Grenze fuhren, obwohl sie Löcher hatte. Die Löcher hielten den Vater und die Mutter nächtelang wach, je tiefer sie wurden, desto lauter rumpelten die Lastwagen. Die Fremden auf Audreys fünftem Geburtstag waren hauptsächlich Lastwagenfahrer, die an dem Tag schon alles gefahren waren, was sie fahren durften. Sie feierten Audreys fünften Geburtstag noch, als Audrey längst im Bett lag, und zu den Geräuschen der Lastwagen und betrunkenem Gesang eingeschlafen war. Beides hörte kurz nach Audreys fünftem Geburtstag auf, als die zwei Staaten, zwischen deren Grenzen das Tiffany’s lag, ein Abkommen trafen. (Jan Fischer: Grenzverkehr)

Jan Fischer, geboren 1983, studiert seit 2003 in Hildesheim. Aufgewachsen zwischen Bremen und Toulouse. Diverse Auszeichnungen, u.a. 2006 Maxi Literaturpreis, 2008 Literaturpreis des U_mag, 2009 dritter Platz der deutschen Luftgitarrenmeisterschaften. Schreibt unter anderem für fluter.de und das Titel Magazin. Mitglied der literarischen Boygroup Text, Drugs and Rock’n’Roll. Mitherausgeber von Hildesheim schön trinken. Leiter des Ressorts Kulturpolitik von librikon.de. Verschiedene Essays in der Schriftenreihe zur Jugendliteratur. Im Frühjahr 2010 erscheint die Novelle Hofhunde als erster Band der Reihe Lesehefte für junge Leute im Autumnus-Verlag.

Die Herausgeber der diesjährigen Landpartie sind Artur Dziuk, Nikolas Hoppe, Mischa Mangel und Lara Sielmann.

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